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PDFs unter Linux bearbeiten/annotieren

Nicht jedes Vorlesungsmaterial will man ausdrucken, aber doch hat man regelmaessig das Beduerfnis wichtige Passagen zu markieren oder Bemerkungen anzufuegen. Waehrend etliche PDF-Reader unter Windows das von Haus aus koennen, kann unter Linux das leider fast keiner. Im Folgenden werde ich ein paar Linux Tools vorstellen, die diese Funktionalitaet erbringen. Es werden ausschliesslich Tools betrachtet die auch als Reader zu gebrauchen sind, alles andere wuerde die Produktivitaet wohl kaum foerdern.

Der einzige echte Linux-PDF-Reader der Annotationen und Markierungen beherscht ist Okular aus KDE. Zwar bringt dies den Nachteil mit sich, das Teile der KDE-Umgebung installiert werden muessen, jedoch gibt es in der KDE-Welt einige gute weitere Programme und derzeit wird auch wohl die Trennung der Anwendungen vom Desktop vorrangetrieben (Dies habe ich vor kurzem irgendwo mal gelesen. Ob dies korrekt in meinem Gedaechnis geblieben ist, kann ich nicht garantieren.). Okular ist zwar ein wenig langsammer als Evince (Default auf den meisten Systemen), aber bietet einen wenig besseren Nutzerkomfort und kann, wie schon angesprochen, zusaetzlich auch noch Annotieren und Markieren.

Beispiel in Okular
Beispiel in Okular

Okular verfuegt ueber ein paar Tools die sich angenehm per Maus benutzen lassen aber auch per Shortcut mit [F6] zum aktivieren des Bearbeitungsmodus und dann den Tasten 1-9 zur Auswahl des Tools. Die Feineinstellungen fuer die Markierungen lassen sich leider nur einzeln ueber Rechtsklick und Bearbeiten machen und leider ist die unveraenderbar Grundeinstellung fuer Unterstreichen und Ellipse unbrauchbar, da sie den Text unlesbar machen. Der Marker hingegen funktioniert sehr gut und auch die blauen Boxen lassen sich schnell ziehen. Alle Bearbeitungen lassen sich auch nachtraeglich noch veraendern oder wieder entfernen, da sie nicht in der PDF selbst, sondern extern von Okular gespeichert werden. In den neueren Versionen von Okular koennen die Annotionen aber auch exportiert werden. Okular verfuegt auch im Praesentationsmodus ueber eingeschraenkte Malfunktionen.

Xournal ist im Gegensatz zu Okular kein echter PDF-Reader, kann aber PDFs sowohl importieren, als auch exportieren. Es annotiert weniger, als das es ‚Malwerkzeuge‘ in Form von Marker, Stift und Text sowie dafuer Linial und Form-Erkennung. Leider bietet es aber keine Texterkennung, was sauberes Markieren ausserordentlich umstaendlich macht, und zusaetzlich auch keine Shortcuts.

Xournal Beispiel
Xournal Beispiel – Beim gelben Marker ist zu erkennen, dass verschiedene Markierungen interferieren und somit den Text unleserlich machen koennen.

Obwohl die Nutzerfreundlichkeit dadurch gegenueber Okular deutlich geringer ist, hat man aber auch viel mehr Moeglichkeiten fuer umfangreichere Bearbeitungen. Auch die Optionen fuer die einzelnen Tools wie ‚Farbe‘ etc. lassen sich viel schneller wechseln als in Okular. Ein gezieltes Loeschen von Markierungen ist nicht moeglich, dafuer stehen aber Radierer zur Verfuegung. Wer also intensiveres Bearbeiten von wenigeren Seiten vorhat, faehrt mit Xournal vermutlich deutlich besser. Wenn man hingegen einfach nur die wichtigen Stellen in einem laengerem Skript markieren will, der sollte aufgrund der hoeren Benutzerfreundlichkeit und den besseren Reader-Eigenschaften lieber auf Okular zurueckgreifen.

Fuer Bearbeitungen die weit ueber das Markieren hinaus gehen sollen, sei auch darauf hingewiesen, dass Inkscape das OpenSource Pendant zu Adobe Illustrator, auch PDFs bearbeiten kann. Allerdings wird man hiermit keinesfalls mehr als eine Seite bearbeiten wollen, da es keinerlei Reader-Eigenschaften aufweist.

Wer einfach nur seine Vorlesungsfolien zur Klausurvorbereitung auf das wesentliche kuerzen will, indem man die unwichtigen Folien die man bereits auswendig kann entfernt, wird vermutlich auch mit pdfshuffler gluecklich werden. Mit diesem kann man sich bequem die Folien ansehen und nach belieben Loeschen/Drehen/Verschieben. Auch wenn der Viewer eigentlich nur zur Auswahl der Folien dienen soll, kann er dank der Zoom-Funktion auch als Reader benutzt werden, wobei hierbei leider die Schaerfe etwas zu wuenschen uebrig laesst. Dafuer lassen sich auch 1000+ Folien nach ein wenig Ladezeit ruckelfrei ansehen.

PDF-Shuffler mit Zoom auf 3 Seiten
PDF-Shuffler mit Zoom auf 3 Seiten

to be continued…

Siehe auch meinen Artikel zu Vorlesungsfolien auf EBook-Reader

Vorlesungsfolien auf E-Book Reader Kindle

Etliche Vorlesungen werden heute nichtmehr mit Skript und Tafel gefuehrt, sondern nur noch mit Folien ala PowerPoint. Da die Anzahl der Seiten dieser jedoch teils sehr hoch sein kann (Teils 1000+) und sich am Computer nur bedingt lernen laesst, habe ich mir ein Amazon Kindle geholt, welches mit damals 99Euro bereits recht guenstig war (Wenn man das WLAN deaktiviert und nur USB benutzt ist man auch von Amazon ‚befreit‘).

Auch wenn das E-Ink Display wirklich extrem angenehm ist und das 4:3-Verhaeltnis optimal fuer die Vorlesungsfolien im selben Format sein sollte, so macht die Fortschrittleiste des Kindles doch Probleme, da durch diese eine Seite nichtmehr ganz auf das Display passt und Kindle eine Folie auf zwei Seiten spaltet. Alternativ kann man natuerlich einfach im Hochkantmodus bleiben, aber dann nutzt man nur die Haelfte des Displays. Dies war fuer mich nicht aktzeptabel. Ich wollte eine Seite fuer eine Folie und den kompletten Display benutzen. Gluecklicherweise ist dies mit leichten Modifikationen der PDFs moeglich.

Wenn wir die Folieseiten einfach um 90Deg drehen, stellt das Kindle die Folien im Hochkantmodus wie im Seitwaertsmodus dar, ohne sie zu spalten. Dies kann pdftk recht einfach und ohne das die PDF gigantisch gross wird (Dies war bei meiner ersten Idee, das Folienformat anzupassen, der Fall). Der Befehl hierfuer ist:

pdftk folien.pdf cat 1-endE output folienKindle.pdf

Falls ihr Dozent pro Kapitel einen Foliensatz macht, ist es eventuell noch ganz praktisch, die zu einer PDF zusammenzufuegen. Auch dies kann pdftk problemlos:

pdftk 1.pdf 2.pdf 3.pdf cat output 123.pdf

Vorlesungsfolie auf Kindle

Mit diesen beiden Tricks stellt ein E-Book Reader die perfekte Moeglichkeit dar, fuer eine Vorlesung zu lernen. Jede Seite fuehlt sich an wie eine grosse Karteikarte, nur das man das komplete Semester in der Jackentasche verstauen kann um im Bus nochmal die letzte Vorlesung zu rekapitulieren.

Anmerkung:  pdftk ist auch fuer Windows und Mac verfuegbar.

Fuer speziellere Beduerfnisse bietet sich auch pdfshuffler an. Fuer automatisiertes Vorgehen (automatischer Download und Konvertierung und Uebertragung der neusten Folien aufs Kindle) ist dieser zwar nicht geeignet, dafuer lassen sich gut die ‚unwichtigen‘ Folien aussortieren.

Zerlegen einer 2x1-PDF in die urspruenglichen Folien
Zerlegen einer 2×1-PDF in die urspruenglichen Folien mit pdfscissors

Sollten die Vorlesungsfolien nur ‚Druckfertig‘, also z.B. 2 Folien pro Seite, angeboten werden, so kann man die PDF mit pdfscissors, einer Java-Web-Applikation die sich u.A. mit icedTea(OpenJDK) ausfuehren laesst (einfach die .jnlp Datei downloaden und ausfuehren), in entsprechende Teile zerschneiden. Dies funktioniert erstaunlich schnell und die erzeugte PDF ist kaum groesser als das Original.